Fang nicht mit Gloomhaven an
Die junge Abenteurerin ist bereit.
Das Schwert geschärft, der Rucksack gepackt: Mit drei Gefährten an ihrer Seite schreitet sie voran, die Hand am Schwertgriff und den Blick fest auf das bevorstehende Abenteuer gerichtet. Vor ihnen liegt Gloomhaven – eine Stadt voller Söldner, Monster, Intrigen und Geschichten, die eine Gruppe über viele Spieleabende begleiten können.
Aber ein gigantisches Monster versperrt ihnen den Weg: ein Regelungetüm voller Symbole, Sonderfälle und Referenztabellen.
Unsere Heldin schlägt es auf und stöhnt.
Das mit dem Abenteuer könnte noch etwas dauern …
Eine Stadt, die nicht vergisst
Als Gloomhaven 2017 erschien, war die Idee einer fortlaufenden Brettspielkampagne nicht neu. Spiele wie Descent hatten bereits gezeigt, dass Entscheidungen Folgen haben können. Gloomhaven ging damit aber deutlich tiefer: Charaktere entwickelten sich über viele Abende, neue Wege öffneten sich, andere verschwanden, Klassen wurden freigeschaltet und die Gruppe hinterließ spürbare Spuren in der Welt.
Abenteurer verfolgen persönliche Ziele und gehen irgendwann sogar in den Ruhestand. Die Stadt verändert sich mit der Kampagne, und über viele Partien entsteht eine Geschichte, die jede Gruppe auf eigene Weise erlebt.
Dazu kommt ein taktisches Kampfsystem ohne klassischen Würfelangriff. Jeder Charakter besitzt ein eigenes Kartendeck. Pro Runde werden zwei Karten kombiniert, die Aktionen, Initiative und Ausdauer bestimmen.
Auch die Gegner folgen komplexen Regeln. Zielprioritäten, Reichweiten, Zustände, Gelände, Elemente und Szenario-Sonderregeln greifen ineinander.
Genau diese Mischung macht Gloomhaven so reizvoll – und den Einstieg so anspruchsvoll.
Können wir mal anfangen?
Einer hat das Regelbuch gelesen. Einer blättert noch darin. Der dritte starrt seit zwanzig Minuten ins Leere.
Der vierte gähnt.
Der Regelerklärer wird langsam nervös, weil jede neue Rückfrage die Geduld der Gruppe weiter strapaziert.
„Warte doch mal! Ich finde gerade nicht, wer bei gleicher Initiative zuerst dran ist. War das auf auf Seite 7 …?“
Für Gloomhaven braucht man deshalb nicht nur eine Gruppe, die Lust auf Abenteuer hat. Alle müssen bereit sein, sich gemeinsam in ein komplexes System einzuarbeiten.
Begib dich in die Pranken des Löwen
Isaac Childres und das Team von Cephalofair Games hatten erkannt, dass der Umfang und die Tiefe von Gloomhaven gerade für neue Spieler eine hohe Hürde bildet. Mit Gloomhaven: Die Pranken des Löwen entwickelten sie deshalb einen deutlich kompakteren Einstieg.
Vier Söldner der namensgebenden Pranken des Löwen gehen hier dem geheimnisvollen Verschwinden von Bewohnern aus den ärmeren Vierteln Gloomhavens nach. Aus dem zunächst überschaubaren Auftrag entwickelt sich eine größere Geschichte.
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Eintauchen in Gloomhaven leicht gemacht …
Die ersten fünf Szenarien bilden eine zusammenhängende Einführung. Zu Beginn stehen nur wenige Karten und Regeln zur Verfügung, zusätzliche Hinweise erklären Symbole und Aktionen direkt dort, wo sie gebraucht werden. Mit jeder Mission kommen neue Karteneffekte, taktische Möglichkeiten, Elemente und Kampfziele hinzu.
Der entscheidende Unterschied zu vielen Tutorials anderer Spiele: Nach dem fünften Szenario folgt kein Sprung in ein plötzlich wesentlich komplizierteres Regelsystem. Man spielt einfach weiter, weil man die Regeln bereits erlernt hat.
Auch der Aufbau wurde vereinfacht. Statt vor jedem Szenario aus zahlreichen Geländeteilen einen neuen Dungeon zusammenzusetzen, wird das Szenariobuch direkt zum Spielplan aufgeklappt. Figuren und Marker kommen darauf, und die Partie kann beginnen.
Die Pranken des Löwen ist deshalb trotzdem kein einfaches Spiel. Karten müssen klug kombiniert, Initiative geplant und Gegnerverhalten verstanden werden. Szenarien können scheitern, wenn die Gruppe ihr Ziel nicht rechtzeitig erreicht oder den Charakteren unterwegs die Luft ausgeht. Nur lernt man all das, während die Kampagne längst läuft.
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Durch die wohldosierte Heranführung an das Spiel behält man den Überblick …
Vier Söldner, 25 Szenarien
Nach der Einführung bleibt noch reichlich Spiel übrig. Die Kampagne umfasst 25 Szenarien, die vier Charaktere spielen sich unterschiedlich, sammeln Erfahrung, verbessern ihre Fähigkeiten und finden neue Ausrüstung.
Die Geschichte verzweigt sich außerdem, sodass man in einem Durchgang nicht zwangsläufig alle Szenarien erlebt.
Ein zweiter Durchgang ist grundsätzlich möglich. Für viele dürfte aber irgendwann die interessantere Frage sein, ob sie nach dieser Kampagne noch tiefer in die Welt einsteigen wollen.
Denn dann wartet immer noch das große Gloomhaven.
Der Gegner im Gepäck
Unsere Abenteurerin vom Anfang ist inzwischen tief in die Welt von Gloomhaven eingetaucht. Mit den Pranken des Löwen hat sie die Kniffe gelernt, die sie für ihre nächsten Abenteuer braucht.
Dann stellen ihr drei fiese Schurken eine üble Falle.
Wer ist jetzt eigentlich zuerst dran?
„Moment!“, ruft sie.
Die Schurken blicken sich verdutzt an.
Sie zieht das Regelwerk aus dem Rucksack und blättert darin. Aus dem anfänglichen Regelungetüm ist inzwischen ein nützlicher Begleiter geworden.
Seite 7. Bei gleicher Initiative ist der Charakter zuerst dran.
Sie klappt das Buch zu, zieht ihr Schwert und stürzt sich in den Kampf …
Gloomhaven: Die Pranken des Löwen ist bei Feuerland Spiele vollständig auf Deutsch erschienen und für ein bis vier Personen ausgelegt. Im deutschen Handel bekommt ihr die Box derzeit für ungefähr 50 Euro.
Wir wollen es wissen: Wie ist dein Gloomhaven-Weg? Große Box oder die Pranken? Lass es uns unten in den Kommentaren wissen.
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Bild 1/3: Eintauchen in Gloomhaven leicht gemacht … -
Bild 2/3: Vielseitige Charaktere der Pranken … -
Bild 3/3: Durch die wohldosierte Heranführung an das Spiel behält man den Überblick …