Hoxfall: Ist das noch ein Brett- oder schon ein Videospiel?
Mit Hoxfall ist vor einigen Tagen ein vielversprechendes Spiel auf Gamefound an den Start gegangen. Tief unter der Erde kommt es in einem geheimen Militärlabor zur Katastrophe: Ein außerirdisches Mutagen bricht aus, die Sicherheitsprotokolle versagen und innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich Menschen in groteske Kreaturen. Alarmleuchten tauchen die Korridore in rotes Licht, irgendwo schlagen schwere Sicherheitstüren zu und der gesamte Komplex wird abgeriegelt.
Dummerweise waren wir Spieler zur falschen Zeit am falschen Ort. Jetzt hetzen wir durch die Labortrakte, während sich das Mutagen immer weiter ausbreitet und hinter jeder Tür eine neue Horrorkreation lauern könnte. Wir suchen hektisch nach Waffen, Werkzeugen und allem, was sich irgendwie zum Überleben nutzen lässt. Denn die Kreaturen sind hinter uns her.
Das Szenario ist ein Evergreen der Popkulturküche. Zugegebenermaßen eines, das mir ausgesprochen gut schmeckt.
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Die Mutanten wollen ja eigentlich nur unser Bestes
Der digitale Geschmacksverstärker
Für zusätzlichen Synapsenkitzel sorgt das elektronische Teburu-System. Vereinfacht gesagt verbindet es das physische Spielmaterial mit einer digitalen Spielleitung.
Das Spielbrett kennt die Positionen der Figuren, High-Tech-Würfel übertragen ihre Ergebnisse automatisch und Smartphones zeigen den Status der Spielfiguren an. Ein zusätzliches Tablet dient als zentrale Ausgabe für Actionsequenzen und Effekte.
Das klingt zunächst nach trockener Netzwerktechnik. Im Spiel soll daraus aber ein ziemlich intensives Erlebnis entstehen.
Das Hoxfall-Teburu-System übernimmt nicht nur die Verwaltung von Regeln und Gegnern. Es soll auch für genau den Thrill sorgen, den das Szenario verspricht. Das System setzt Hinterhalte, steuert die Kreaturen und zwingt uns mithilfe von Countdowns zu schnellen, möglicherweise unüberlegten Entscheidungen. Soundeffekte, Actionsequenzen und eine Erzählerstimme sollen die Atmosphäre zusätzlich verdichten.
Das Ganze soll auch auf Deutsch erscheinen, denn Pegasus Spiele übernimmt den Vertrieb des Teburu-Systems hierzulande.
Klare Verhältnisse am Spieltisch
Das klingt für mich zunächst nach einem wahr gewordenen Traum. Teburu übernimmt große Teile der Regelverwaltung und könnte Hoxfall dadurch deutlich leichter auf den Tisch bringen als einen vergleichbar umfangreichen Dungeon Crawler.
Kein langes Regelstudium. Kein ständiges Nachschlagen. Einfach aufbauen, einschalten und losspielen.
Gleichzeitig bietet das System wenig Interpretationsspielraum.
„Ich glaube, das war eine Sechs.“
Würfel können nicht mehr brennen:
„Ich hätte die doch niemals so bescheuert vor die Tür gestellt!“
Figuren stehen dort, wo sie stehen.
Und auch Sichtliniendiskussionen dürften weitgehend der Vergangenheit angehören:
„Also sind wir uns einig, dass ich das Monster angreifen kann, korrekt?“
Keine Diskussionen mehr.
Aber ist das gut? Schließlich haben auch Diskussionen, Ausreden und kleine Formen des Selbstbetrugs ihren Charme. Für manche machen sie einen gelungenen Brettspielabend überhaupt erst aus.
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Smartphones als Interaktive Spielertableaus
Wie du merkst, versuche ich gerade, die Pros und Cons gegeneinander abzuwägen. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, mich an der Kampagne zu beteiligen. Denn neben den atmosphärischen Thrill-Verstärkern ist das Wegfallen der großen Regelhürde für mich ein echtes Pro-Argument.
Es gibt allerdings auch ein ziemlich gewichtiges Gegenargument.
Sprechen wir mal über den Preis
Auf den ersten Blick beginnt Hoxfall erstaunlich günstig: Der Core Pledge mit Standees kostet während der Gamefound-Kampagne 75 Euro. Wer lieber Miniaturen auf dem Tisch stehen hat, zahlt für die entsprechende Core Box 120 Euro.
Eigentlich gar nicht so schlimm.
Dann schaut man in der Vergleichstabelle allerdings automatisch ein paar Spalten weiter – und sieht vor allem, was in den Core-Paketen alles nicht enthalten ist. Zusätzliche Charaktere, weitere Mutantentypen und dreidimensionales Umgebungsmaterial bleiben den größeren Paketen vorbehalten.
Der All-in Pledge mit Standees kostet 180 Euro. Wer sämtliche Kreaturen und Umgebungsobjekte als Miniaturen haben möchte, landet beim empfohlenen Miniature All-in Pledge für 295 Euro.
Und natürlich schiele ich genau auf dieses Paket.
Denn Crowdfunding-Vergleichstabellen sind hervorragend darin, aus einem völlig ausreichenden Basispaket innerhalb weniger Sekunden die Version zu machen, bei der man das Gefühl hat, nur das halbe Spiel zu kaufen.
Allerdings ist auch beim All-in noch nicht wirklich alles drin: Das zum Spielen erforderliche Teburu-Spielbrett kostet weitere 100 Euro. Hinzu kommen die Versandkosten nach Deutschland: 29 Euro für einen Core Pledge, 38 Euro für das Standee All-in und 48 Euro für das Miniature All-in.
Damit kostet der tatsächliche Einstieg mit dem Core Standee Pledge nicht 75, sondern 204 Euro. Die Core-Version mit Miniaturen liegt inklusive Teburu und Versand bei 249 Euro.
Das Standee All-in kommt auf 318 Euro, das Miniature All-in auf 443 Euro.
Hinzu kommt die Frage nach den speziellen Teburu-Würfeln. Den Core-Paketen liegen lediglich zwei Würfel bei. Da im Spiel offenbar teilweise größere Würfelpools benötigt werden, müsste man mit ihnen mehrmals hintereinander würfeln und sie zwischen den Spielern weiterreichen.
In den Kommentaren zur Kampagne werden deshalb mindestens sechs Würfel empfohlen. Ein zusätzliches Set mit zwei Würfeln kostet 35 Euro. Bei den beiden All-in-Paketen ist bereits eines dieser Sets enthalten, sodass dort insgesamt vier Würfel dabei sind. Für die empfohlenen sechs müsste man also nur noch ein weiteres Set ergänzen.
Mehr Würfel sind vermutlich keine spielerische Notwendigkeit, aber eine Frage des Komforts und des Spielflusses.
Mit dem Miniature All-in Pledge, dem Teburu-Spielbrett, einem weiteren Würfelset und dem Versand lande ich damit bei 478 Euro.
Nimmt man noch ein oder zwei Goodies mit, ist die Grenze von 500 Euro schnell überschritten.
Das ist wirklich viel Geld.
Ist Hoxfall das wert?
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Die Pledgelevel haben es auch sich in sich
Die Angst nicht das Beste zu bekommen
Ich hadere noch immer mit mir selbst. Einerseits habe ich Spiele im Regal stehen, die zwischen 100 und 200 Euro gekostet haben und kaum gespielt werden.
Andererseits sind 500 Euro wirklich eine Ansage – selbst mit der von Gamefound angebotenen Ratenzahlung über fünf Monate.
Natürlich könnte ich mich bei den Paketen etwas einschränken und vielleicht bei „nur“ 400 Euro landen. Dann hätte ich allerdings ständig das Gefühl, nur die zweitbeste Version gekauft zu haben.
Das ist vermutlich das gefährliche Mutagen des Crowdfundings: Nicht unbedingt der tatsächliche Inhalt eines Pakets, sondern die Sorge, später nicht die vollständige oder vermeintlich beste Version des Spiels zu besitzen.
Hmmm.
Der ewige Wiederspielfaktor
Die Macher von Hoxfall haben einen prozeduralen Modus angekündigt. Dieser soll nach dem Durchspielen der Kampagne immer neue, zufällig zusammengestellte Szenarien erzeugen.
Der potenzielle Wiederspielfaktor ist damit also hoch.
Wenn Hoxfall tatsächlich regelmäßig auf den Tisch kommt, weil die Regelhürde wegfällt, der Aufbau vergleichsweise unkompliziert ist und man das Spiel auch solo spielen kann, könnte der Preis pro Partie langfristig deutlich sinken.
In meinem Regal stehen schließlich genügend teure Spiele, deren Preis pro Partie gegen unendlich geht, weil sie seit Jahren nicht mehr gespielt wurden.
Allerdings frage ich mich, wie lange der digitale Nervenkitzel tatsächlich frisch bleibt. Beim ersten Hinterhalt dürfte der Schreck groß sein. Beim fünften Countdown steigt wahrscheinlich noch der Puls. Doch nach mehreren Spieleabenden könnten sich auch bei Actionsequenzen, Warnmeldungen und zeitkritischen Entscheidungen Muster bemerkbar machen.
Was anfangs überraschend und intensiv wirkt, könnte irgendwann vorhersehbar werden. Wenn man bestimmte dramaturgische Kniffe kennt, verliert selbst der beste digitale Hinterhalt einen Teil seines Schreckens. Der prozedurale Modus kann zwar neue Situationen erzeugen – ob sich auch die Inszenierung dauerhaft abwechslungsreich anfühlt, ist damit aber noch nicht gesagt.
Aprospos Dauerhaft: Spielt die Technik mit?
Laut Aussagen der Entwickler soll die Software langfristig unterstützt werden. Das Spiel kann dabei vollständig offline gespielt werden, solange sich die verwendeten Geräte im selben lokalen Netzwerk befinden. Eine Internetverbindung wird lediglich benötigt, wenn Spieler gemeinsam aus der Ferne spielen möchten.
Auch das ist eigentlich ein ziemlich reizvoller Aspekt. Mehrere Besitzer des Spiels könnten unabhängig von ihrem Standort miteinander spielen und trotzdem jeweils ihr eigenes physisches Spielmaterial verwenden.
Trotzdem bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Eine Aussage über langfristige Unterstützung ist noch kein Versprechen, dass Hoxfall in zehn Jahren auf sämtlichen dann aktuellen Geräten problemlos läuft.
Bei einem klassischen Brettspiel altert höchstens das Material. Bei Hoxfall muss auch die Technik mitspielen.
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Der Silikon-Overlord zwingt uns zu schnellen Entscheidungen
Aber zurück zur Ausgangsfrage
Ist das noch ein Brettspiel? Oder ist das bereits ein Videospiel?
Was mir am analogen Spielen gefällt, ist nicht nur das physische Material. Es ist die Plauderei am Tisch. Es sind die kleinen Diskussionen, die Albernheiten und die Bilder, die in meinem eigenen Kopf entstehen.
Bei einem stark geführten System wie Hoxfall wäre meine Sorge, dass einige dieser Aspekte verloren gehen. Wenn Actionsequenzen abgespielt werden, Countdowns laufen und das System fortwährend Aufmerksamkeit einfordert, bleibt möglicherweise weniger Raum für Smalltalk, Abschweifungen und eigenes Kopfkino.
Hinzu kommt ein Merkmal, das ich zunächst eher mit Videospielen verbinde: Hoxfall kann Spielstände speichern. Das ist natürlich komfortabel. Man muss eine Kampagne nicht mühsam auf dem Tisch stehen lassen, Zustände notieren oder Unmengen an Material sortieren. Man beendet die Partie und setzt sie später an derselben Stelle fort.
Gleichzeitig verändert auch das die Wahrnehmung des Spiels. Sobald ein System meinen Fortschritt speichert, Figuren verwaltet, Ereignisse auslöst und den Ablauf kontrolliert, fühlt sich das Erlebnis zumindest ein Stück weit wie ein Videospiel an – nur eben mit Miniaturen, Würfeln und Mitspielern am selben Tisch.
Meine Sorge ist also nicht, dass Teburu zu viel kann.
Meine Sorge ist, dass es uns zu wenig Raum lässt.
Wenn ich hauptsächlich auf Bildschirme schaue, einer digitalen Spielleitung folge und das System den Rhythmus des Abends bestimmt – warum spiele ich dann nicht gleich ein Videospiel?
Andererseits stehen bei Hoxfall weiterhin Miniaturen auf einem realen Spielbrett. Wir sitzen gemeinsam am Tisch, bewegen Figuren, werfen Würfel und treffen Entscheidungen. Vielleicht verbindet das System tatsächlich das Beste aus beiden Welten.
Vielleicht aber auch nicht.
Ich habe einen Plan
Ich muss Hoxfall zunächst ausprobieren.
In irgendeinem Spieleladen oder auf einer Convention wird sich sicherlich die Gelegenheit dazu bieten. Erst dann kann ich beurteilen, ob Teburu den gemeinsamen Spieleabend bereichert oder ob mir das System zu viel von dem nimmt, was ich am Brettspielen liebe.
Vielleicht ist Hoxfall tatsächlich die Erfüllung meiner persönlichen Brettspiel-Science-Fiction.
Vielleicht ist es aber auch nur ein sehr teures Videospiel mit Miniaturen.
Das Spiel soll Ende 2027 ausgeliefert werden. Bis dahin bleibt noch viel Zeit zum Sparen, Testen und Überlegen.
Was denkst du über Hoxfall? Ist das noch ein Brettspiel? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare unten …
Die Gamefound-Kampagne läuft noch bis 20. August 2026: https://gamefound.com/de/projects/xplored/hoxfall
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Bild 1/4: Der Silikon-Overlord zwingt uns zu schnellen Entscheidungen -
Bild 2/4: Smartphones als Interaktive Spielertableaus -
Bild 3/4: Die Mutanten wollen ja eigentlich nur unser Bestes -
Bild 4/4: Die Pledgelevel haben es auch sich in sich