Kritik: Moon Colony Bloodbath

10.04.2026 @Tim
Mondkolonie, Chaos, und was davon übrig bleibt – eine Review
Rezension
MoonColonyBloodbath
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Autor: Donald X. Vaccarino | Verlag: Alea | Spieler: 1–5 | Dauer: 45–90 Min. | Alter: ab 14 Jahren

In Moon Colony Bloodbath schlüpft man in die Rolle eines von fünf (vermutlich leicht wahnsinnigen) Wissenschaftlern, die auf dem Mond ein perfektes Utopia erschaffen wollen. Zunächst läuft alles nach Plan: Die Kolonisten sind glücklich, die Ressourcen fließen, die Zukunft der Menschheit liegt in den Sternen. Bis die Systeme anfangen, „Probleme" zu machen.

Aufmerksam wurde ich auf das Spiel durch seinen lustigen Titel und eine Mechanik, die mich neugierig gemacht hat – das sogenannte „Engine Losing". Hinzu kommt ein Faktor, der für mich persönlich immer wichtiger wird: ein guter Solo-Modus. Und dann ist da natürlich noch meine generelle Schwäche für Science-Fiction. Zufällig stolperte ich über ein Angebot, und ehe ich mich versah, war Moon Colony Bloodbath Teil meines Urlaubsgepäcks.

Thema & Aufmachung

Das schrille Atom-Punk-Thema zieht sich konsequent durch das gesamte Artwork und die Illustrationen. Der retro-futuristische Stil passt klasse zur absurden Prämisse des Spiels. Lediglich die Darstellung der menschlichen Gesichter fällt für meinen Geschmack etwas ab.

Die Box hat die klassische Kallax-Größe, die man bei diesem Preispunkt erwartet – wirkt beim Öffnen aber deutlich überdimensioniert für den tatsächlichen Inhalt. Darin befinden sich eine Menge Spielkarten, fünf Spielerboards, zahlreiche Marker und ein Inlay, das für alles Platz bietet. Verarbeitung und Druck sind solide und entsprechen dem, was man erwarten darf. Kein Grund zur Klage, aber auch keine positiven Überraschungen.

Was passiert auf dem Tisch?

Die Anleitung kommt schnell zur Sache. Der erste Aufbau ist fast idiotensicher erklärt, auch wenn mir an der einen oder anderen Stelle eine präzisere Benennung bzw. Darstellung der gemeinten Karten geholfen hätte. Per Ausschlussverfahren und einem genauen zweiten Blick auf die einzelnen Karten war das aber kein ernstes Hindernis.

Ist der Startkartenstapel festgelegt, das eigene Tableau aufgebaut und die Wissenschaftlerrolle gewählt, zieht man vier zufällige Gebäudekarten auf die Hand – und los geht's. Man deckt Karte für Karte auf und befolgt die Anweisungen: Mal schürft man Ressourcen oder errichtet Gebäude, mal muss man dem gemeinsamen Deck neue Karten hinzufügen. So nimmt das Spiel seinen Lauf, bis das erste Ereignis ausgelöst wird – was in aller Regel bedeutet, dass Kolonisten sterben. Es sei denn, man hat rechtzeitig die richtigen Gebäude und Ressourcen aufgebaut, um den Schaden abzufedern.

Ist der Stapel aufgebraucht, wird er neu gemischt und erneut abgearbeitet – und genau das ist das Herzstück des Spiels. Die Wiederholung ist Programm: Dieselben Karten kehren in immer neuer Reihenfolge zurück, aber mit bekannten Ereignissen, auf die man sich – theoretisch – besser vorbereiten kann. So lange, bis entweder ein paar Kolonisten das letzte von gut einem Dutzend Ereignissen überstehen oder die Kolonie schlicht ausstirbt. Letzteres ist die wahrscheinlichere Variante.

Das Besondere: Engine Building trifft Engine Losing

Schon nach wenigen Runden wird deutlich, dass man hier gegen eine gnadenlose Spielmaschine antritt. Von den auf der Schachtel angegebenen 45 bis 90 Minuten pro Partie kann man getrost 30 Minuten abziehen. Das Scheitern ist gewissermaßen vorprogrammiert – und dafür muss man in der richtigen Stimmung sein.

Es braucht einige Partien, bis man alle Karten gesehen hat und zu erahnen beginnt, welche Kombinationen ein Erfolgsrezept sein könnten. Und hier liegt eine gewisse Ironie: Ein Spielprinzip, das auf Wiederholung aufgebaut ist, fühlt sich mit der Zeit – nun ja – repetitiv an. Die zufällig eingefügten Twistkarten sorgen für etwas Abwechslung, können diesen Effekt aber nur bedingt abmildern. Der Reiz liegt also im richtigen Maß an Beharrlichkeit und dem Willen, die Engine zu bezwingen – oder zumindest länger zu überleben als die Konkurrenz.

Für wen ist es geeignet?

Das vorzeitige Ausscheiden eines Spielers kann schnell passieren und ist für sich genommen frustrierend. Moon Colony Bloodbath ist deshalb am besten, wenn es als lockeres Unterhaltungsspiel für einen geselligen Abend eingesetzt wird – irgendwo zwischen Exploding Kittens und einem Partyspiel mit etwas Substanz.

Als Spiel, für das man sich extra verabredet um einen ganzen Freitagabend zu füllen, ist es jedoch nicht geeignet. Und genau das war meine Erwartung – eine Erwartung, die ich rückblickend auf Preis und Schachtelgröße zurückführe und die das Spiel schlicht nicht befriedigen kann. Wer das von vornherein weiß, wird weniger enttäuscht sein als ich es war. Kurz gesagt: Wäre das Spiel in einer kleineren Schachtel und zu einem Preis zwischen 20 und 30 Euro erschienen, wären meine Erwartungen erfüllt worden.

Fazit

Moon Colony Bloodbath ist ein originelles, humorvolles Spiel mit einer ungewöhnlichen Mechanik, die durchaus ihren Reiz hat. Wer Freude an absurdem Sci-Fi-Chaos, kurzen Partien und dem masochistischen Vergnügen des kontrollierten Scheiterns findet, wird hier gut bedient. Wer ein tiefgründiges, abendfüllendes Erlebnis sucht, sollte die Erwartungen entsprechend anpassen – oder ein anderes Spiel aus dem Regal greifen.

Wertung: ⭐⭐⭐☆☆

  • Bild 1/5: Jede Menge Karten und Maker …
  • Bild 2/5: … gewagte Bauvorhaben …
  • Bild 3/5: … setzen ein durchaus einträgliches …
  • Bild 4/5: – System auf, bis …
  • Bild 5/5: … alles den Bach runtergeht :)
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