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Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel. Kann Henry am Tisch dieselbe Geschichte erzählen?

Aus dem Dreck an den Adelshof: das war das Versprechen des Videospiels. Jetzt kommt es auf den Spieltisch. Und das wirft eine ehrliche Frage auf.

Lennard

Von @Lennard

, 3 Min. Lesezeit

Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel. Kann Henry am Tisch dieselbe Geschichte erzählen?

Kingdom Come: Deliverance ist eines der ungewöhnlichsten Rollenspiele der letzten Jahre. Kein Held, keine Magie, kein auserwähltes Schicksal. Nur Henry, der als Sohn eines Schmieds startet, Überlebender eines Massakers und am Anfang ohne Geld, ohne Ruf, ohne Können. Die rund 50 Stunden Spielzeit des Videospiels sind im Kern eine langsam entfaltende Rags-to-Riches-Geschichte im spätmittelalterlichen Böhmen, die ihren Reiz gerade aus der Langsamkeit zieht: Jede neue Fähigkeit fühlt sich verdient an, weil man das Dreckloch des Anfangs noch in Erinnerung hat.

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Jetzt versucht Warhorse Studios genau dieses Erlebnis auf den Spieltisch zu bringen. Kingdom Come: Deliverance – The Board Game wurde von Tomáš Holek (S.E.T.I.) und Vlaada Chvátil (Mage Knight, Codenames) entworfen. Also beides Autoren, die wissen, wie man Tiefe in Spielmechanik bringt. Ob die narrative Erfahrung da Schritt halten kann, ist noch offen. Das Ergebnis ist ein kompetitives Open-World-Abenteuerspiel mit Deckbuilding-Elementen für 1 bis 4 Spieler, das über fünf Spieltage in der böhmischen Landschaft des Jahres 1403 spielt.

Was das Spiel verspricht

Jeder Spieler startet als Niemand – geboren im Drecksloch, ohne Ruf, mit einfachen Startkarten und minimalem Equipment. Über Deckbuilding entwickeln sich die Charaktere: Wer kämpfen will, investiert in Kampfkarten, wer überreden will in Charisma, wer stehlen will in Schleichfähigkeiten. Auch Ausrüstung spielt eine zentrale Rolle, denn ohne Bogen gibt es keine Jagd, ohne saubere Kleidung keine Audienz beim Adel. Das klingt vertraut.

Das Spielfeld zeigt die mittelalterliche Landschaft mit drei Städten. Auch strukturell versuchen die Entwickler, den Fair des Videospiels einzufangen: Es gibt verschiedene Storylines für die Städte, wie die Vorbereitung einer Hochzeit, einem Angriff auf Neuhof und eine Seuche, die ein Dorf bedroht. Dazu kommen Nebenquests, zufällige Begegnungen, Händler, Gasthäuser, Badehaus und ein (Spielern des ersten Teils sehr bekanntes) Kloster, die den Spieler in ihrem Vorankommen beeinflussen.

Die eigentliche Frage

Ob das funktioniert, hängt an einem entscheidenden Punkt. Was Kingdom Come als Videospiel so stark macht, ist nicht das Questdesign, sondern die akkumulierte Zeit. Wer Henry nach 40 Stunden in voller Rüstung durch Rattay spazieren sieht, erinnert sich an den zerlumpten Anfänger. Dieser emotionale Kontrast ist das eigentliche Erzählprinzip.

Ein Brettspiel über fünf Spieltage – also vermutlich 90 bis 120 Minuten am Tisch – kann diesen Bogen kaum in derselben Intensität abbilden. Was bleibt, ist die mechanische Struktur des Aufstiegs: bessere Karten, bessere Ausrüstung, steigende Fähigkeitswerte. Das kann befriedigend sein. Aber es ist eine andere Art von Befriedigung.

Positiv zu werten: Das Spiel ist systemisch kompetitiv ohne direkten Konflikt – jeder verfolgt seinen eigenen Weg, niemand bekämpft aktiv den anderen. Der Wettstreit wird in den Verdiensten und Errungenschaften der Spieler gemessen. Das entspricht dem Geist des Originals, in dem die Welt um dich herum existiert und du dir deinen Platz darin erkämpfst.

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Wer macht das Spiel?

Für die erfahrenen Entwickler ist es die erste Kooperation, ausgerechnet eine Videospieladaption, historisch kein risikofreies Terrain, aber ein interessantes. Noch ist zu wenig bekannt, um die Sorgen endgültig aus der Welt zu schaffen. Beim stolzen Preis von 150€ sollte man vielleicht die ersten Reviews abwarten, statt vorzubestellen.

Als Fan der Vorlage weiß man aber, was Warhorse, der tschechische Videospielentwickler, anfasst, wird Gold. Dies haben sie mit ihrem Debüt Kingdome Come: Deliverance bewiesen, und letztes Jahr mit dem zweiten Teil nochmals gezeigt. Aktuell arbeitet das Studio an einem Videospiel in Mittelerde, man darf auch hier gespannt bleiben.

Verfügbarkeit und Preis

Das englische Spiel ist ab Q4 2026 vorbestellbar und das ausschließlich innerhalb der EU, kein weltweiter Versand bisher. Eine deutsche Version ist für Frühjahr 2027 angekündigt, vertrieben von HeidelBÄR Games.

Der Preis von € 149,- ist auch den Kommentaren auf der Produktseite ein heißes Thema, verständlicherweise. Für einen Nischentitel mit dem Produktionsumfang dieses Spiels ist er erklärbar, für spontane Kaufentscheidungen aber eine hohe Schwelle. Die Metallmünzen gibt es übrigens als separates Upgrade für weitere 39,99 Euro. Für Henry wohl ein Luxus, der erst am Adelshof am Ende Spiels denkbar gewesen wäre.

»» Kingdom Come: Deliverance – The Board Game vorbestellen

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