Der Mann, der uns ins schöne Dunkel führte.

05.06.2026 @Tim
Der obligatorische Nachruf auf John Blanche
JohnBlanche
Grimdark
Warhammer
Bild zum Beitrag: Der Mann, der uns ins schöne Dunkel führte.

Vielen von uns geht es wohl so: Es war ein Bild von John Blanche, das uns ins Hobby gezogen hat. Eine Illustration im White Dwarf, ein Boxcover, eine dieser dichten, bizarren Kompositionen aus Heiligenscheinen, Rost, Knochen und Ornament

John Blanche war für eine ganze Generation von Hobbyisten so etwas wie der Guru des Grotesken, der Patron des Bizarren, die stille Stimme die einem sagte: düsterer, seltsamer, persönlicher.

Am 1. Juni 2026 ist er gestorben. Er wurde 78 Jahre alt.

Der Mann hinter dem Grimdark

Blanche wurde 1977 erstmals mit Games Workshop bekannt, als White-Dwarf-Coverartist – zu einem Zeitpunkt, als GW gerade erst zwei Jahre alt war. Er gestaltete auch Cover für die allererste britische Ausgabe von Dungeons & Dragons, die damals von Games Workshop vertrieben wurde. Als GW Mitte der 80er-Jahre nach Nottingham zog, wurde er Art Director und blieb es für Jahrzehnte.

Was er in dieser Zeit schuf, lässt sich kaum schätzen. Der Stil den Blanche entwickelte, der heute Grimdark oder Gothic Sci-Fi genannt wird: expressionistisch, energetisch, frenetisch, mit gotischen Erzählthemen einer unruhigen Vergangenheit die die Gegenwart heimsucht. Warhammer Fantasy und Warhammer 40.000 sehen so aus wie sie aussehen, weil Blanche ein Bild im Kopf hatte das er nicht loslassen konnte. Ein Bild aus Pest und Pracht, aus Heiligen und Monstern, aus Zerfall und Ornament.

Sein Einfluss reichte dabei weit über die Malerei hinaus: Die Autoren der Black Library – jener Bibliothek an Warhammer-Romanen und -Geschichten – beschrieben Blanches Bilder immer wieder als direkte Inspirationsquelle. Er hat die Saat gesät für unzählige Geschichten aus einem Universum, das ohne seine Bildsprache nie so ausgesehen hätte.

Inq28 und das Erbe jenseits von GW

Aus der Blanchitsu-Kolumne im White Dwarf, in der Fotos von Warbands veröffentlicht wurden, entstand eine ganze Indie-Bewegung: das 28 Magazine, Spiele wie Turnip28 – und das soziale Gefüge das Trench Crusade erst möglich machte. Blanche war nicht nur Art Director, er war aktiver Mitgestalter einer kreativen Philosophie die bis heute nachwirkt.

Das Trench-Crusade-Team schreibt in seinem Nachruf: „Alles was er uns gezeigt und gelehrt hat, scheint durch alles was wir tun – wie durch so vieles in der Fantasy-Gaming-Welt."

Das letzte Werk

Sein letztes Kunstprojekt war Voodoo Forest, eine Serie von Tusche-Illustrationen die einen ätherischen, surrealen Wald erkundeten. In seinen letzten Jahren lizenzierte er außerdem seinen Namen für eine Army-Painter-Farbserie, die 2024 erschien und von seinem unverwechselbaren Stil inspiriert wurde.

Sein letzter Beitrag zu einem Tabletopspiel war En Garde – ein 1-gegen-1-Duellspiel im 54mm-Maßstab, seinem persönlichen Lieblingsmaßstab, mit Regeln von Tuomas Pirinen. Der Kickstarter wurde im Mai 2026 von über 1.000 Backern mit knapp 168.000 Dollar finanziert. Kurz darauf starb Blanche. Ob das vollständige Spiel noch erscheint, liegt nun in anderen Händen.

Er habe sich in seinen letzten Jahren beschrieben als „in den Welten lebend, die er miterschaffen hatte." Das klingt nicht nach Abschied. Es klingt nach jemandem, der genau dort angekommen war, wo er immer hinwollte.

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